Sonder - Newsletter vom
19. August 2015


Liebe Leserinnen, liebe Leser

Jetzt erst recht!
Leider müssen wir Euch mitteilen, dass das SEM das Gesuch abgelehnt hat und uns nur noch der Weg einer Beschwerde als letzte Möglichkeit auf rechtlichem Weg offensteht.

Um die Beschwerde zu führen, werden wir das genaue Vorgehen in den nächsten Tagen mit dem Anwalt besprechen. Unzweifelhaft werden wir alles daran setzen müssen, auf verschiedenen Ebenen – u.a. auch in der Öffentlichkeit – einen maximalen Druck aufzubauen.

Das wird nur mit Eurer Hilfe möglich sein – darum bauen wir auf Euch und werden schon bald über das weitere Vorgehen informieren.

Die Einschätzung des SEM

Nach Einschätzung des SEM ist die Bedrohung der Familie bei einer Ausschaffung nach Tschetschenien nicht gegeben. Die Fluchtgründe sind für das SEM unglaubhaft und der eingereichte Bericht der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft, der auf unserer Website einzusehen ist, sei als Gefälligkeits-
schreiben ohne Beweiswert zu betrachten.
Im Weiteren sieht das SEM in der guten und schnellen Integration der Kinder in der Schweiz den Beweis, dass es für die Kinder unzweifelhaft kein Problem darstellen wird, sich in Tschetschenien zu integrieren. Die Tatsache, dass die Kinder der Russischen Sprache nicht mächtig sind, ist für das SEM an dieser Stelle nicht zu beachten, zumal die Eltern und die Verwandten in Tschetschenien diesen Prozess unterstützen können.
Dass die Kinder inzwischen in der Schweiz zu Hause sind und die Rückschaffung nach Tschetschenien deshalb einer Entwurzelung gleichkomme, sieht das SEM als nicht gegeben. Last but not least erachtet das SEM trotz Arztzeugnis die psychischen Beschwerden des Vaters als zweifelhaft und sieht darin einen direkten Zusammenhang mit einer Stresssituation, ausgelöst durch die bevorstehende Ausschaffung.

Die Auflagen bezüglich des Kindeswohls

Wir möchten Euch im Zusammenhang mit der Einschätzung des SEM auf die Gesetzesgrundlagen aufmerksam machen, die in Zusammenhang mit Asylgesuchen gemäss Schweizer Recht zu beachten sind, sodass Ihr Euch selber ein Bild über die Einschätzung des SEM machen könnt:

„Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich erscheinen. Dabei können namentlich folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sei: Alter des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungs-bereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwicklungs-psychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz mithin eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2; BVGE 2009/51 E. 5.6 S. 749, je mit Verweis)“

Das weitere Vorgehen

Das Urteil des SEM negiert sämtliche Publizität zu Tschetschenien in den Medien rund um den Globus, stellt die Gefahr einer Bedrohung der Familie in Tschetschenien in Frage und verkennt die Tragweite einer Rückschaffung für die Kinder. Diese Haltung ist in keiner Weise der Situation angepasst. Wir werden Euch deshalb ca. Mitte nächster Woche über die weiteren Schritte informieren und auch, wie Sie mit uns diese letzte Chance für unsere Freunde und Nachbarn maximal unterstützen könnt.

Bitte teilen Sie auch die Unterstützung auf Facebook https://www.facebook.com/pages/Hier-zuhause/1624203881131295 und senden Sie diesen Link http://hierzuhause.ch/de/Unterstuetzen an Ihre Freunde und Bekannten. In der jetzigen Situation sind unsere Freunde mehr denn je auf auf eine weite Verbreitung und Unterstützung angewiesen!

Lesenswert

Wir sind auf einen Artikel aufmerksam gemacht worden, der von einem Professor der Universität Zürich verfasst worden ist, und sich auf die aktuelle Situation und Hintergründe in Tschetschenien bezieht:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/standard/Die-Rueckkehr-von-ISKaempfern-kommt-Putin-entgegen/story/16812877

Spenden

Vieles, was wir gegen die Ausschaffung der Familie M unternehmen, verursacht Kosten. Glücklicherweise können wir auf die Grosszügigkeit einer Einzelperson zählen und erhalten so die Möglichkeit, alle erdenklichen Hebel in Bewegung zu setzen. Diese Grosszügigkeit ist letztlich ausschlaggebend, dass wir uns gemeinsam mit Ihnen engagieren können. Wir werden auch in Zukunft Kosten haben und freuen uns über weitere Spenden:
PC 85-364525-4, Combinat Zürich (Vermerk: Hier zuhause)
 
Herzlichen Dank für Ihr Engagement zu Gunsten von hierzuhause.ch und dem einzig richtigen Entscheid – dem Verbleib der Familie M. in der Schweiz.

Ihre Unterstützung macht Mut!
Unsere Freunde sind und bleiben hier zuhause!
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