Newsletter vom 30. Mai 2016


Liebe Leserinnen, liebe Leser
 

Das Ziel ist der Weg – Wohnung verloren und Sozialhilfe gestrichen – Alltag im Kirchenasyl – Dialog mit den Behörden


Nach dem zweiten Ausschaffungsversuch hat sich die reformierte Kirche Kilchberg entschieden, der Familie M Kirchenasyl zu gewähren und sich so dafür einzusetzen, dass die Famillie vor einer weiteren, noch härteren Rückschaffungsaktion geschützt ist. Trotz Kirchenasyl betrachtet die Behörde die Familie als untergetaucht. Immerhin hat die Behörde öffentlich Dialogbereitschaft angeboten, was hierzuhause gerne annimmt.

Das Ziel ist der Weg!

Mit dem letztinstanzlichen Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 18. Februar 2016 ist der Entscheid gefallen, dass die Familie M die Schweiz verlassen soll. Es gilt den Entscheid zu akzeptieren und sich auf eine Ausreise vorzubereiten. Mit Unterstützung der Kirche wurde dieser schwierige Prozess gestartet.
Angesichts der fundamentalen Dimension kann dieser allerdings nicht forciert werden, zumal insbesondere die Kinder auf Grund des Drucks deutliche psychische und körperliche Reaktionen zeigen.
Wir sind nach wie vor der Überzeugung, dass eine Rückschaffung nach Tschetschenien bzw. Russland insbesondere für die Kinder äusserst kritische und fragliche Zukunftsaussichten schafft und deshalb gerade einer rechtstaatlichen Schweiz, in der das Kindswohl einen wichtigen Stellenwert hat, unwürdig ist. Wir sind aus diesem Grund nicht bereit, die Hoffnung auf eine positive und stabile Zukunft statt Angst und Unsicherheit für die Familie M aufzugeben.
 
Untergetaucht – ein Status mit weitreichenden Folgen
Seit dem fehlgeschlagenen Ausschaffungsversuch vom 19. April gilt die Familie für die Behörden als untergetaucht – mit weitreichenden Folgen. Der Familie wurde die Wohnung an der Seestrasse entzogen und die Ausrichtung der Nothilfe eingestellt. Gerade das Recht auf Nothilfe stünde aber völkerrechtlich allen Notleidenden zu. Um Essen zu kaufen sind unsere Freunde deshalb auf Spenden von hierzuhause.ch angewiesen.
Wir möchten an dieser Stelle klarstellen: weder war noch ist die Familie untergetaucht. Die vom Anwalt an das Migrationsamt gerichteten Schreiben mit der Richtigstellung werden jedoch abgelehnt. Das Migrationsamt hält an dem Status fest.


Alltag im Kirchenasyl und Schule
Dank grossartiger Gastfreundschaft der Pfarrerin und der ganzen Kirchgemeinde, kann die Familie im Pfarrhaus der reformierten Kirche Kilchberg leben. Während die Eltern und der kleine Mansur das Pfarrhaus nicht verlassen können, nehmen die Kinder uneingeschränkt am Schulbetrieb teil.
Linda und Marha haben am letzten Freitag am „Schnällste Chilberger“ teilgenommen und mit viel Einsatz um die Plätze gekämpft. Leider hat es keiner der beiden für die Finalteilnahme gereicht, aber Spass hatten die zwei alleweil.
Der tägliche Rhythmus des Schulbetriebs und der Kontakt mit den Mitschülerinnen und Mitschülern hilft den Kindern ungemein, mit der schwierigen Situation umzugehen. Die Angst, in ein Land ausreisen zu müssen, das Folter am Vater zugelassen hat und deren Kultur und Sprache sie nicht kennen, wird dennoch immer häufiger sichtbar.
 
Dialog mit den Behörden
Im Rahmen der „Himmlischen Tage“ im Bezirk Horgen anlässlich der Pfingsten hat Regierungsrat Mario Fehr in der Kirche Kilchberg gesprochen. Er hat dabei das Kirchenasyl thematisiert, die Rechtsstaatlichkeit betont und den Dialog mit allen beteiligten Personen angeboten.
Das Gespräch mit den Vertretern der Kirche und den Behörden wurde dementsprechend leider ohne hierzuhause bereits im Vorfeld der „Himmlischen Tage“ aufgenommen. Wir sind überzeugt, dass der informelle Austausch zwischen hierzuhause und den Behörden von hoher Relevanz und Wichtigkeit ist, um die delikate Situation im Interesse aller Beteiligten gemeinsam zu bewältigen. In diesem Sinne ist hierzuhause bei den Behörden mit der Annahme des Dialogangebots vorstellig geworden. Wir warten nun zuversichtlich auf eine positive Antwort der Behörde, damit der informelle Austausch bald stattfinden kann.
 
Und die Aufsichtsbeschwerde…?
Nun: die Aufsichtsbeschwerde bleibt auch nach fünf Monaten unbeantwortet. Rein rechtlich haben die Behörden maximal 6 Monate Zeit, weshalb wir auch hier zuversichtlich sind, schon in den nächsten Tagen mehr Transparenz zu haben.

Mehr denn je – Danke für die Spenden

Die Familie M kann derzeit auf die Unterstützung der reformierten Kirche Kilchberg und hierzuhause zählen, muss aber auf sämtliche Unterstützung wie sie für Flüchtlinge und Notleidende seitens der Behörden üblicherweise geleistet werden, verzichten. Darum gilt mehr denn je:  Jede Spende hilft, die täglichen Bedürfnisse von Anvar, Marha, Linda, Mansur Ihren Eltern zu decken – helfen Sie mit.
Ein grosses Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender die uns helfen, zusammen mit der Familie M. das grosse Ziel zu erreichen.

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