Newsletter vom 9. Juni 2016


Liebe Leserinnen, liebe Leser
 

Familie M ist hier in Kilchberg zuhause und hat sich schnell integriert. Dies wurde ihr nun zum Verhängnis: Kinder, die sich so schnell in eine Umgebung anpassen und rasch die Sprache lernen, könnten dies auch anderswo, auch in Tschetschenien, lautet u.a. die Begründung für den Ausschaffungsentscheid. Ein Entscheid, der nun umgesetzt wurde.


Liebe Unterstützerinnen, liebe Unterstützer
Liebe Leserinnen, liebe Leser
 
Mit grossem Bedauern mussten wir feststellen, dass die von den Behörden angebotene und von Regierungsrat Mario Fehr anlässlich seiner Rede in der Kirche Kilchberg am 13. Mai 2016 unterstrichene Dialogbereitschaft zu keiner Zeit vorhanden war. Ihr „Dialog“ diente einzig und alleine dazu, den Druck zu erhöhen und die „freiwillige“ Rückkehr zu erzwingen.
 
Es wurde der Kirche von Beginn weg klar zu verstehen gegeben, dass der Entscheid der Rückkehr nicht zu diskutieren ist und es vielmehr um deren Umsetzung geht: „freiwillig“ oder mit Polizeigewalt.
 
Der massive Druck, welche die Behördenvertreter in den letzten 14 Tagen auf die Kirche und auf die Familie ausgeübt hatte, zwang unsere Freunde einer „freiwilligen“ Rückkehr zuzustimmen. Die Eltern wollten unter gar keinen Umständen ihren Kindern eine nochmalige Zwangsausschaffung zumuten und eine damit verbundene Traumatisierung ersparen. Es war für die Familie ebenfalls nicht zu verantworten, dass die Kirche von der Polizei behelligt wird.
Die Aussage des Vaters „Lieber sterbe ich in Tschetschenien“ sagt dazu alles.
 
Das kleine Zeitfenster, welches die Behörden für die „freiwillige“ Rückkehr, der Vermeidung der Stürmung des Kirchenasyls und der Zwangsausschaffung gewährte, umfasste genau eine Nacht für die Bedenkzeit und 2 Tage für die Ausreise. Die Kinder mussten Ihre Habseligkeiten innert kürzester Frist einpacken und sich von ihren FreundInnen verabschieden. Sie wurden somit jäh ihres Lebensmittelpunkts beraubt.
Die Umsetzung von Entscheidungen des "Rechtsstaats" sind eindeutig über das Kindswohl gestellt worden. Ohne Wenn und Aber wird eine menschliche Tragödie in Kauf genommen!
 
Und wir müssen nun das mitteilen, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, was wir gehofft hatten, nie kommunizieren zu müssen:
 
Unsere Freunde, Linda, Marha, Anvar, Mansur, Khedi und Timur, mussten heute nach Russland bzw. Tschetschenien ausreisen. Für die Kinder ein Land, dessen Sprache und Kultur ihnen fremd ist und aus dem sie zusammen mit Ihren Eltern vor vielen Jahren wegen Folter und Verfolgung des Vaters geflohen sind.
 
Wir alle sind tieftraurig. Und wir alle sind hoch empört und entsetzt.
 

Wie weiter

Mit Vertretern aus Politik und Kirche wurde alles daran gesetzt, dass 1. die Rückschaffung unserer Freunde ohne Schikanen und Übergriffe verlaufen wird und 2. dass unseren Freunden ein höchstmögliches Mass an Sicherheit gewährleistet wird. Die Finanzierung der Familie ist durch Spenden der Unterstützerinnen und Unterstützer, über eine Privatperson von Kilchberg und der Starthilfe der Schweizer Behörden gewährleistet. So wird gottseidank zumindest der Stress der Lebensunterhaltsbeschaffung für den Anfang wegfallen.
Aber es ist ganz klar festzuhalten: vorerst bleibt der Familie wie auch uns nur die Hoffnung, dass sich das tschetschenische Regime durch die bereits getätigten diplomatischen Interventionen vor weiterer Verfolgung abhalten lässt. Mit unseren Freunden und mit Menschenrechtsorganisationen vor Ort bleiben wir selbstverständlich in Kontakt.

Härtefallgesuch

Das bereits in Arbeit stehende Härtefallgesuch wird eingereicht – auch wenn unsere Freunde sich bereits nicht mehr in der Schweiz befinden. Mit einem erfolgreichen Härtefallgesuch wird es unseren Freunden möglich sein, wieder in die Schweiz zurückzukehren. Dieser Weg wird lang und steinig. Wir werden deshalb via Crowdfunding eine Sammelaktion starten. Wir werden dazu zeitnah kommunizieren.
 

Herzlichen Dank

Die Familie dankt auf diesem Weg allen Kilchberginnen und Kilchbergern und allen Unterstützerinnen und Unterstützern für die grossartige Solidarität. Freunde zu Verlassen tut weh (Zitat Timur).

 

Nach wie vor sind wir der tiefsten Überzeugung: Linda, Marha, Anvar, Mansur und ihre Eltern sind in Hier zuhause! Dafür kämpfen wir weiter.
 

Spenden für die Familie

Mit einer Spende auf unser Spendenkonto PC 61-248075-2 können Sie die Familie unterstützen. Ab sofort kommen diese Gelder direkt der Familie zu Gute. Ein grosses Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender für die Unterstützung.

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