Newsletter vom 23. 12. 2016

Last Christmas: Weihnachten ist nicht gleich Weihnachten +++ Schuljahr 2016: Wenn einem das Lachen vergeht +++ No News – Good News? +++ Stand des Gesuchs +++ Wie weiter – Road to Strassburg

Liebe Leserin, lieber Leser

Herzlichen Dank für die grossartige Unterstützung – 2958 Personen sind mit uns der Meinung, dass die Familie M hier zuhause ist und haben sich bis heute auf www.hierzuhause.ch eingetragen. Ein kräftiges Signal, welches im Frühsommer auch der Reformierten Kirche Kilchberg Anlass gewesen ist, mit dem Kirchenasyl ein mutiges Zeichen zu setzen. Darum noch einmal ein grosses Dankeschön an Sie, liebe Unterstützer.

 


 

Last Christmas: Weihnachten ist nicht gleich Weihnachten

Weihnachten ist die Zeit der Besinnung. Wir halten inne und lassen Raum zur Reflexion. Wir werden uns bewusst, dass Weihnachten für uns eben nicht einfach Weihnachten ist, sondern Jahr für Jahr zwar etwas Vertrautes, aber doch immer wieder etwas Neues. Noch im letzten Jahr haben alle Kinder zusammen „guetzlet“ und sich von der besonderen Festtagsstimmung fesseln lassen. Heute sitzt die Familie M in Tschetschenien und vermisst die friedliche Stimmung allgegenwärtiger Adventskränze und die Wärme der Lichterketten, denn die Schweiz ist für sie zur Heimat geworden - inklusive Weihnachtszeit. Ihre Verbundenheit damit zu zeigen, ist in der muslimisch geführten Teilrepublik Tschetschenien nicht zu empfehlen – es sei denn, man will als Verräter am Islam und der Gesellschaft betrachtet werden. Weihnachten ist nicht Weihnachten.

Schuljahr 2016: Wenn einem das Lachen vergeht

Für Anvar, Marha und Linda hat das Schuljahr 2016 in Kilchberg verheissungsvoll begonnen und in Tschetschenien in einem Desaster geendet. Während die Einschulung der Mädchen mehr schlecht als recht gelungen ist, konnte Anvar bis heute nicht eingeschult werden.
Nach wie vor sind die fehlenden Russisch- und Tschetschenischkenntnisse massgebliche Hürden, den Kindern eine im Vergleich zur Schweiz minimal akzeptable Schulbildung zu ermöglichen. Bis vor wenigen Monaten lebten sie hier in einem System, das Kinder fördert und einen geregelten Übergang ins Erwachsenenleben sicherstellt. Nun müssen sie in einem System leben, welches auf tiefer Bildung als Basis für allerlei Machenschaften wie der Zwangsheirat aufbaut. Aus der Freude zur Schule zu gehen ist ein täglicher Spiessrutenlauf geworden – das Lachen ist vergangen.

No News – Good News?

Wir sind vorsichtig erleichtert, dass sich die Befürchtungen aus dem letzten Newsletter bisher nicht verdichtet haben. Diese «No News» verstehen wir allerdings nicht als «Good News». Die Familie fühlt sich weder sicher noch hat sich die Schulsituation der Kinder in irgendeiner Weise entschärft, noch bestehen seitens des Vaters irgendwelche Aussichten auf einen Job, der es ihm erlauben würde, für seine Familie zu sorgen. Zur Erinnerung: In der Schweiz hätte er gar mehrere Jobangebote gehabt.

Stand des Gesuchs

Die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich hatte den Eingang des Gesuchs bekanntlich bestätigt und zusätzliche Unterlagen eingefordert. Diese wurden eingereicht und der Sicherheitsdirektion steht eine mehrmonatige Frist zur Entscheidungsfindung zur Verfügung. Trotzdem ist der Anwalt der Kinder dieser Tage dran, sich nach dem Stand des Verfahrens zu erkundigen. Wir halten Sie dazu auf dem Laufenden.

Wie weiter – Road to Strassburg

Die Unterstützung von hierzuhause.ch gilt der Familie M und insbesondere den Kindern. Aus einem Engagement für den Verbleib in der Schweiz, ist ein Engagement für eine Rückkehr geworden - wenn nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg.
In diesem Sinne sind wir dankbar, dass auch in Bern und St. Gallen Leute zusammenstehen und sich engagieren. Das gibt uns Mut und thematisiert die schwierige Situation von Flüchtlingskindern. Deren Rechte sind in der Kinderrechtskonvention festgehalten. Durch die Ratifizierung anerkennt die Schweiz das Kinderrecht und stellt es im Rechtsstaat als Teil des internationalen Rechts vor das nationale Recht.
Mut macht uns darum auch ein Urteil des Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg vom 8. November 2016: Ein Vater klagt gegen die Schweiz, weil ihm der Familiennachzug für seinen Sohn verweigert worden ist (detailliertes Urteil unter: PDF).
Der Gerichtshof für Menschenrechte hält in seinem Urteil auf Seite 10 Abs. 46 sinngemäss fest, dass es gemäss internationalem Recht einen breiten Konsense gebe, in sämtlichen Urteilen mit der Beteiligung von Kindern, deren beste Interessen zu verfolgen. Die Gerichte eines Landes, welches das Kinderrecht ratifiziert hat, hätten die Pflicht, die Interessen der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen und als kritisch zu gewichten. Auf Seite 13 unter Abs. 53 kommt das Gericht zum Schluss, dass die zuständigen Behörden der Schweiz das Gesuch des Vaters für einen Familiennachzug kurz und bündig mit einer allgemeinen Einschätzung getroffen hätten. Somit sei die Schweiz ihrer Verpflichtung, die Interessen des Kindes ins Zentrum eines wohl abgewogenen Urteils zu stellen, nicht nachgekommen.
In einer übereinstimmenden Meinung zum Schluss des Urteils kommt Richter Georgios Serghides zum Schluss, dass die Schweiz im vorliegenden Fall internationales Recht und somit fundamentale Regeln der Demokratischen Gesellschaft verletzt habe. In seiner Sicht ist die Schweiz verpflichtet, seine Urteile nicht nur gegenüber dem Rechtsstaat als Partei abzuwägen sondern in gleichwertiger Weise gegenüber allen Parteien.
Die Kinder der Familie M wurden in den Verfahren wie Gepäckstücke der Eltern behandelt. Ihre Situation nach fast 5 Jahren in der Schweiz sowie ihre schulischen Aussichten und Zukunftschancen in Tschetschenien wurden zu keinem Zeitpunkt im Verfahren gewürdigt. Stattdessen wurde auch im Fall von Anvar, Marha, Linda und Mansur in der im Strassburger Entscheid gerügten, kurzen und allgemeinen Art über die Schicksale engagierter und maximal integrierter Kinder entschieden.
Eine positive Beurteilung des Gesuchs durch die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürichs kann diesen elementaren Mangel in dem Verfahren beheben und den Kindern die Zukunft, die sie mit ihren schulischen Leistungen und ihrem Engagement zur Integration erarbeitet und verdient haben, ermöglichen. Der Entscheidungsspielraum dazu steht in jedem Fall mit Sicherheit zur Verfügung.

Spenden

Die Situation ist äusserst kritisch geworden und die Familie M braucht Ihre Unterstützung mehr denn je – Ein grosses Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender!

PC 61-248075-2, Hier zuhause
IBAN CH59 0900 0000 6124 8075 2

Facebook

Bleiben Sie auch kurzfristig mit der Familie M und hierzuhause.ch im Kontakt und „Liken“ sie unsere Page auf Facebook.

Copyright © hierzuhause
http://www.hierzuhause.ch/de/Impressum

Ich möchte mich vom