Newsletter vom 09.06.2017

Vor einem Jahr: erzwungene Rückkehr von Familie M +++ Anhaltende Solidarität +++ Wie weiter?

Liebe Leserin, lieber Leser

Genau vor einem Jahr ging das Kirchenasyl unserer Freunde durch die erzwungene Rückkehr und Ausschaffung nach Tschetschenien und damit der jahrelange Kampf für das Bleiberecht der Familie M in der Schweiz zu Ende: am frühen Morgen des 9. Juni 2016 wurden Linda, Marha, Anvar, Mansur und ihre Eltern von der Polizei abgeholt und in das gecharterte Flugzeug nach Moskau bugsiert. Die Hoffnung der Kinder, ihrer Eltern, von uns und von über 3'000 Unterstützerinnen und Unterstützer, dass sie in ihrer neuen Heimat Kilchberg bleiben dürfen, wurden damit fürs Erste zerschlagen.
Beendet wurde mit der Ausschaffung auch unser Vertrauen in die Rechtsprechung, das Urteilsvermögen und die Kompetenz der verantwortlichen Behörden und ihrer Exponenten und – noch schwerwiegender – in die humanitäre Verantwortung, derer sich die Schweiz immerzu rühmt.

Was nicht beendet wurde, ist unser Engagement für die Rückkehr der Familie M nach Kilchberg sowie die grosse Solidarität, die unseren Freunden auch ein Jahr nach der Ausschaffung nach wie vor zuteil wird. Das finden wir grossartig! Vielen herzlichen Dank dafür!

Ein Jahr nach der Ausschaffung

Seit einem Jahr lebt Familie M wieder in Tschetschenien. Ein Land, welches auch nach einem Jahr für die Kinder fremd und bedrohlich ist. Anlässlich unserer regelmässigen Kontakten stellen wir fest, dass die Fröhlichkeit und Unbeschwertheit bei Linda und Marha ein für allemal verschwunden sind. Aus ihnen wurden zwei ernste und traurige Mädchen, denen bewusst ist, dass sie keine Freiheiten mehr haben, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Auch ihrem älteren Bruder Anvar ist bewusst, dass er in Tschetschenien keine Zukunftsperspektiven mehr hat, was ihn ausserordentlich belastet. Alle Kinder leiden immer noch unter unerträglichem, alles beherrschendem Heimweh nach Kilchberg und ihren Freunden.

Nach wie vor hat der Vater aufgrund seiner Geschichte und der katastrophalen Situation auf dem tschetschenischen Arbeitsmarkt keinerlei Chancen einen Job zu finden, weshalb er versucht, sich im Baugewerbe zu verdingen, was äusserst schwierig ist. Khedi, die Mutter, versucht mit allen Mitteln, unter den sehr schwierigen Bedingungen die Familie durch den Alltag zu bringen.

Beispiellose Solidarität

Die eingangs erwähnte grossartige und anhaltende Solidarität hat sich auch anlässlich des Benefiz-Gottesdienstes vom 23. Mai 2017 in der reformierten Kirche Kilchberg gezeigt. Der sehr bewegende und emotionale Gottesdienst und die pointierte Predigt von Sibylle Forrer wurden begleitet vom Chor und von Solo-Darbietungen der Mitschülerinnen und Mitschüler von Linda und Marha.
http://bit.ly/2sLkMqL

Die Kollekte, die während des Gottesdienstes gesammelt wurde, kommt ebenfalls vollumfänglich unseren Freunden zugute. Geld, das sie für ihren Lebensunterhalt dringend benötigen. Ein herzliches Dankeschön an alle Unterstützerinnen und Unterstützer für ihre grossartige finanzielle Unterstützung, sowohl anlässlich des Benefiz-Gottesdienstes als auch via dem Spendenkonto von hierzuhause!

An dieser Stelle bedanken wir uns auch nochmals herzlichst bei der reformierten Kirche Kilchberg und insbesondere bei Sibylle Forrer: das Engagement, mit welchem sie sich während der ganzen Zeit und auch nun wieder mit dem Benefiz-Gottesdienst für unsere Freunde einsetzen, ist grossartig und beispiellos!

Wie weiter

Klar ist: Im Falle von Familie M hat der Schweizer Rechtsstaat das Kinderrecht und geltendes EU-Recht gebrochen.
Leider ist dies kein Einzelfall. Wie wir von verschiedenen Seiten aufmerksam gemacht wurden, wird das UNO-Kinderrecht und EU-Recht in der Ausführung der schweizerischen Asylgesetzgebung konsequent missachtet. Ein untolerierbarer Zustand, welcher mit der vielgerühmten und oft zitierten humanitären Tradition der Schweiz unvereinbar ist.

Nach wie vor warten wir auf die regierungsrätliche Behandlung und Antwort des Rekurses, welcher diese Missachtung thematisiert. Wir hoffen, dass der Zürcher Regierungsrat das Aufenthaltsgesuch der Kinder bald behandelt und gutheisst. Ein Spiel auf Zeit würde die Kinder zusätzlich massiv belasten.

Familie M ist hier zuhause.

Wir danken Ihnen nochmals herzlich für Ihre Solidarität und Unterstützung!

Spenden

Ihre Spende ist weiterhin willkommen und nötig. Diese kommt vollumfänglich Familie M zugute. Vielen Dank!

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