Newsletter vom 14.07.2017

Ein gutes Jahr ist vergangen – wieder grüsst die Ferienzeit


Lieber Leserin, lieber Leser
Etwas mehr als ein Jahr ist seit der erzwungenen Ausschaffung der Familie M vergangen. Am 9. Juni 2016 um 08:00 um genau zu sein, ist eine Armada von Zivilpolizisten aufgefahren und hat die kilchberger Dorfstrasse abgesperrt, um die Familie aus dem Kirchenasyl zum Flughafen zu bringen und mit dem Privatjet nach Russland auszufliegen. Rechtzeitig vor der grossen Ferienzeit möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen Update zur Situation geben.
 

Schitter bis düster

Auch ein gutes Jahr nach der Rückkehr nach Tschetschenien sind die Aussichten nicht besser geworden. Die Rückkehrhilfe aus der Schweiz ist abgelaufen und die Familie M ist weit von einer gesicherten Zukunft entfernt. Wie wir sie informiert haben, konnte der Vater bisher keine Arbeit finden und versucht, seine Kraft auf Baustellen anzubieten, um wenigsten dann und wann ein kleines Einkommen zu erwirtschaften. Nun ist allerdings auch in Tschetschenien die grosse Ferienzeit angebrochen, was die prekäre Arbeitssituation definitiv nicht verbessert. Leider ist es auch nicht als Option zu betrachten, dass der Vater Tschetschenien verlässt und irgendwo sonst in Russland Arbeit sucht und so probiert Fuss zu fassen. Tschetschenen sind im Rest von Russland unerwünscht und werden massiv ausgegrenzt. Entsprechend wäre das ein Weg vom Regen in die Traufe ohne Aussicht auf Erfolg. Die Familie M ist darum nach wie vor auf Unterstützung aus der Schweiz angewiesen.

Danke Reformierte Kirche Kilchberg!

Am 21. Mai 2017 hat in der Kirche Kilchberg der Benefiz Gottesdienst zu Gunsten der Familie M stattgefunden. Die Mitschülerinnen und Mitschüler haben zentrale Elemente des Gottesdienstes gestaltet und in beeindruckender Art und Weise gezeigt, dass sie Anvar, Marha, Linda und Mansur nicht vergessen haben und sie in ihren Herzen noch immer sehr präsent sind. Durch die Kollekte, welche durch die Kirche Kilchberg grosszügig aufgerundet worden ist, sind stolze 5‘000.00 CHF zusammengekommen, die nun zur Unterstützung der Familie zur Verfügung stehen – Danke Reformierte Kirche – zuerst das Kirchenasyl und nun der Benefiz Gottesdienst – grossartig!

Situation der Kinder

Die Kids Anvar, Linda, Marha und Mansur haben bereits seit drei Wochen Sommerferien. Diese dauern ganze 3,5 Monate und enden im September. Es ist die heisseste Zeit in Tschetschenien mit Temperaturen bis zu 40°. Mit Badespass ist trotz Hitze leider nichts. Auf dem Land gibt es kaum fliessend Wasser und dass Freibad in der Stadt steht nur den „richtigen“ zur Verfügung – bei strikter Trennung der Geschlechter versteht sich. Entsprechend sind die Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen in Kilchberg sehr intensiv geworden und sind von grossem Heimweh geprägt.
Linda und Marha haben die Promovierung in die nächste Klasse geschafft und können ab September die nächste Schulstufe absolvieren. Auf Mansur wartet im September der Start in den Kindergarten.
Sicher erinnern Sie sich, dass es für Anvar ganze 8 Monate gedauert hat, bis er eingeschult werden konnte. Entsprechend hat er seine Promovierung deutlich nicht geschafft und ist insbesondere wegen fehlenden Russisch-Kenntnissen gar um zwei Niveaus zurückgefallen. Bald wird er gezwungen sein, die Schule entweder abzubrechen oder die Klasse zusammen mit seiner fast 3 Jahre jüngeren Schwester Marha zu besuchen.
Gut gemacht Schweiz – einmal Zukunft und Mensch zerstört und für immer und ewig die Hoffnung geraubt – dazu können wir den Spezialisten in den Ämtern mit polyvalenten Fähigkeiten nur gratulieren. Ganz offensichtlich haben diese Schreibtischtäter keinen Plan vom echten Leben und verantworten mit ihrem Handeln letztlich, dass für Anvar das schlechtest Mögliche zur Tatsache geworden ist.

Und was ist mit dem Rekurs?

Wie erwartet gibt es noch keinerlei Reaktion aus dem Zürcher Regierungsrat zum Rekurs. Wir stellen allerdings fest, dass die Ämter konsequent nicht begreifen oder einfach negieren, wer eigentlich das Gesuch gestellt hat. Darum sei hier noch einmal deutsch und deutlich gesagt, dass es die Kinder Anvar, Marha und Linda sind, die ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz für sich selbst gestellt haben und damit das Recht eines Familiennachzugs in den Personen ihrer Eltern und ihres kleinen Bruders verbinden. Ein Rekurs hat eine klare Form zu erfüllen. Es bleibt darum das Geheimnis der Verantwortlichen in den Ämtern, warum sie diese Tatsache trotzdem konsequent verdrehen. Im Weiteren haben wir den Rekurs durch eine Eingabe ergänzt. Konkret sind wir von berufener Anwaltsseite darauf hingewiesen worden, dass mit der Richtlinie 2008/115/EG seitens der Behörden direkt anwendbares (internationales) Recht verletzt worden ist. Auch wenn es konsequente Praxis scheint, dass sich die Schweizer Behörden, trotz anderer Weisungen seitens des BVGer gemäss letztem Urteil vom März 2016, gegen die Familie M über geltendes Recht hinwegsetzen, heisst das noch lange nicht, dass hierzuhause.ch solches Handeln akzeptiert. Für uns ist es nur ein weiteres Kapital von „Pleiten, Pech und Pannen“ und einmal mehr ein fragwürdiger Leistungsausweis von Amtsträgern, der sich nahtlos u.a. in die Story um „gefälschte Briefe“ mit Poststempel aus der Zürcher Sicherheitsdirektion oder auch den inzwischen eingestellten Strafverfahren gegen einzelne Mitglieder der reformierten Kirche Kilchberg und hierzuhause.ch manifestiert.

What‘s next

Ja – what’s next – diese Frage stellen wir uns natürlich auch. Wir bleiben auf jeden Fall dran und warten auf den - hoffentlich positiven - Entscheid seitens des Zürcher Regierungsrates zum Rekurs. In der Zwischenzeit unterstützen wir die Familie natürlich auf allen möglichen Ebenen weiter und bleiben an allen Fronten dran. Das ist das Komitee hierzuhause.ch der Familie und auch Ihnen, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, schuldig. Sie stärken uns den Rücken und sind Motivation genug, den 9. Juni 2016 nicht zu vergessen!

Spenden

Danke an alle Spenderinnen und Spender – ihre Unterstützung ist grossartig und nötig!
Ein grosses Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender für die Unterstützung.

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