Newsletter vom 21.06.2018


Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer
Viel zu lange haben Sie nichts mehr von hierzuhause und der Familie M. gelesen, dafür möchten wir Sie um Entschuldigung bitten. Bevor wir versuchen, Ihnen einen Überblick zur Situation von Familie M. in Tschetschenien zu geben, lassen Sie uns die lange Sendepause erklären.

Traurige Veränderungen im Vorstand von hierzuhause

Das Komitee von hierzuhause wurde von den Kilchberger Paaren Isabelle Blümlein & Urs Gägauf und Francesca & Ronie Bürgin mit dem Ziel gegründet, sich gegen die drohende Ausschaffung der tschetschenischen Flüchtlingsfamilie M. zu wehren und diese zu unterstützen. Die Familie lebte vier Jahre lang in Kilchberg und war in der Gemeinde bestens integriert. Leider erwies sich trotz der beispiellosen Solidarität von hunderten von Menschen der Versuch, eine Ausschaffung abzuwenden, als erfolglos: Die Familie wurde im Juni 2016 von den Behörden nach Tschetschenien ausgeschafft.
Letztes Jahr kam es im Vorstand des Komitees hierzuhause zu sehr traurigen Veränderungen. Urs Gägauf ist im letzten Juli nach einer Operation am Herzen leider verstorben. Urs zeichnete im Wesentlichen für die Redaktion, die Website und für die technische Umsetzung dieses Newsletters verantwortlich. Und keine sechs Monate später, kurz vor Weihnachten letzten Jahres, verstarb auch Ronie Bürgin völlig unerwartet. Ronie verantwortete die Kommunikation mit den Medien, übernahm zahlreiche Koordinationsaufgaben im Verein. Nach diesen traurigen und tiefgreifenden Ereignissen musste sich das Komitee hierzuhause neu finden und neu formieren – neben Isabelle Blümlein und Francesca Bürgin engagiert sich neu David Schärer im Vorstand des Vereins. David hatte den Verein bereits während der Phase der Ausschaffung der Familie unterstützt und die Familie in dieser Zeit ebenfalls kennengelernt.

Die Situation von Familie M. zwei Jahre nach der Ausschaffung

Die Situation der Familie M. ist heute auf sehr tiefem Niveau stabil. Timur, Khedi, Anvar, Marha, Linda und Mansur kamen einigermassen über den Winter; vor allem dank Spenden und einer Ladung Kleider und Schuhen, die von Privatpersonen nach Tschetschenien gebracht wurden. Vater Timur findet noch immer keine Arbeit in Tschetschenien, es sei schwer für ihn eine Stelle zu finden. Er berichtet uns, dass das Geld gerade ausreiche, um Essen zu kaufen, die Miete zu bezahlen hingegen wäre eine grosse Herausforderung. Die Frist für die Mietzinsen gleicht einem Spiessrutenlauf, das Risiko ist gross, die Wohnung zu verlieren. Die wirtschaftlich sinnvollste Lösung wäre es, ein eigenes Haus zu bauen, um mittel- bis langfristig über die Runden zu kommen, doch das Geld hierfür fehlt, erste Priorität hat das nackte Überleben. Eine finanzielle Belastung für die Familie war zudem ein längerer Spitalaufenthalt von Mutter Khedi (die genauen Gründe sind uns leider nicht bekannt), da in Tschetschenien die Behandlungen und Medikamente selbst bezahlt werden müssen. Die Spenden der zahlreichen Unterstützerinnen und Unterstützer konnten die Not etwas lindern.

Der kleine Mansur ist mittlerweile im Kindergarten und arrangiert sich soweit damit, obwohl er sagt, dass er lieber den Kindergarten in Kilchberg besuchen würde. Der älteste Sohn Anvar tut sich sehr schwer mit der Schule in Tschetschenien, besonders Russisch zu lernen, soll ihm grosse Mühe bereiten. Die Prüfungen stehen bevor und es wird sich zeigen, ob Anvar die 9. Klasse allenfalls wiederholen muss. Die Perspektivlosigkeit des Jungen bietet immer grösseren Anlass zur Sorge.
Die Situation von Marha und Linda hat sich leicht verbessert. Mit der Schule ist für die Mädchen so etwas wie Alltag in Tschetschenien eingezogen, die Schwestern sprechen aber noch immer Deutsch miteinander und halten noch immer einen regen Kontakt mit ihren Freundinnen in Kilchberg. Die angebrochene dreimonatige Ferienzeit in Tschetschenien ist allerdings eine besonders schwierige Zeit, da Linda und Marha ihre Freizeit in der Wohnung verbringen müssen. Denn Hobbys und Freundinnen und Freunde treffen ist für Mädchen in Tschetschenien nicht vorgesehen. Die Sommerferienzeit, die hierzulande wohl für die meisten Kinder die unbeschwerteste des Jahres ist, ist für die Mädchen die Zeit, in der sie ihre Freundinnen und Freunde in der Schweiz und ihre Freiheit besonders schmerzlich vermissen.

Gesuch und Rekurs hängig

Der Anwalt der Familie M hat im Februar 2017 bei der Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich gegen den Entscheid des Migrationsamts Rekurs eingereicht und die Verfahrensmässigen Anträge gestellt, dass den Geschwistern Anvar, Marha und Linda rechtliches Gehör gewährt und die Einreisesperre gegen die Eltern aufgehoben werde, um die älteren drei Kinder zu den Befragungen begleiten zu können. Die Argumentation des zuständigen Rechtsanwalts beruft sich dabei auf die Konvention über die Rechte der Kinder (KRK), wonach Kinder Menschen mit eigenen Rechten und Persönlichkeit sind und als solche behandelt werden müssen. Das Gesuch bezieht sich im Wesentlichen auf Artikel 12 der KRK, der bestimmt, dass urteilsfähige Kinder «in allen das Kind berührenden Angelegenheiten» persönlich, das heisst unabhängig ihrer Eltern anzuhören sind. In den über vier Jahren diverser Verfahren sind die Kinder der Familie M. von den Behörden kein einziges Mal befragt oder angehört worden. Ferner wurde der Antrag gestellt, dass den Geschwistern Anvar, Marha und Linda eine Aufenthaltsbewilligung erteilt und den Eltern sowie dem jüngsten Bruder Mansur Familiennachzug bewilligt werde. Der Rekurs und das Gesuch sind beim Regierungsrat seit über einem Jahr hängig. Als weiterführende Lektüre zum Recht der Kinder auf Gehör sei Ihnen der interessante und sehr informative Artikel von Claudia Blumer empfohlen, der am 16. Juni 2018 im «Tages-Anzeiger» veröffentlicht wurde: https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/hier-finden-kinder-gehoer/story/30252101

Familie M. ist auf Ihre Spende angewiesen

Der Verein hierzuhause versucht, mit Timur, Khedi, Anvar, Marha, Linda und Mansur regelmässig in Kontakt zu bleiben und die Familie bestmöglich zu unterstützen. Sie können natürlich mithelfen, die Familie zu unterstützen. Ihre Spende ist sehr willkommen und kommt selbstverständlich direkt der Familie für das Nötigste wie Essen oder die Miete zugute:
PC 61-248075-2, Hier zuhause
IBAN CH59 0900 0000 6124 8075 2

 
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

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